Vernetzung der Dialyse

Vernetzung in der Dialyse: EDV-Systeme

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Qualitätssicherung, gesetzliche Anforderungen oder die zunehmende Menge an Daten im Dialysealltag erhöhen die Anforderungen an die tägliche Dokumentation durch ärztliches und pflegerisches Personal und das unter erschwerten Bedingungen knapper personeller Ressourcen und ökonomischer Vorgaben durch die Betreiber der Einrichtungen.

Diesen Ansprüchen kann gerecht werden, wer seine Arbeitsweise gut strukturiert und Dokumentation nicht dem Zufall überlässt, sondern in praktikabler Weise geplant durchführt. Hilfreich ist dabei die weitestgehende Automatisierung der Dokumentation mit ergonomisch gestalteten Dokumentationsprozessen. Ein mögliches Werkzeug dafür sind EDV-Systeme, wie sie in der Dialyse bereits seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt werden.

Durch EDV-Systeme wird eine ganze Reihe von Vorteilen erreicht:

EDV-Systeme in der Dialyse bestehen in der Regel aus einer Vielzahl von Komponenten, die miteinander sinnvoll vernetzt werden: Dialysemaschinen, Patientenwaagen, Laborgeräte, Blutdruckmessgeräte, Krankenhausinformationssysteme oder Praxissoftware.

Sinnvoll eingesetzte EDV-Systeme
in einer vernetzten Dialyse
erleichtern die Dokumentation und
unterstützen die Abeitsprozesse.

Im Idealfall sind sie in Bezug auf die Dialysemaschinen herstellerübergreifend einsetzbar, auch wenn sie von Anbietern der Dialysemaschinen selbst stammen.
Die Firma iSYMED GmbH aus Butzbach ist hierbei als einer der Entwickler von hochwertiger medizinischer Monitoringsoftware (in erster Linie Dialysemonitoring) zu nennen.

Der typische Ablauf einer Dialysebehandlung mit EDV-System zeigt das Potenzial der genannten Vorteile:

Bei der Erfassung des Vordialysegewichtes benutzt der Patient eine Chipkarte, auf der seine eindeutige ID gespeichert ist. Damit kann das Vordialysegewicht automatisch von der Personenwaage über ein IT-Netzwerk an den zentralen Server gesendet werden. Dort findet aufgrund der hinterlegten Information zu Trockengewicht, geplanter Flüssigkeitsaufnahme oder typischem Tara-Wert (Kleider, Rollstuhl, etc.) die Berechung der tagesaktuellen UF-Werte statt. Bewusste Manipulationen durch den Patient oder Verfälschungen durch mündliche Übertragungsfehler werden auf diese Weise erschwert. Durch intelligente Algorithmen erkennt das System auch, wenn statt des Patienten ein Rollstuhl oder eine Transportliege gewogen wird und interpretiert dies sinngemäß als Tara-Gewicht, das vom zuvor ermittelten Gesamtgewicht abgezogen werden muss.

Steckt der Patient oder die Pflegeperson die Chipkarte anschließend in ein Lesegerät der Dialysemaschine, erfolgt unmittelbar die Übertragung der Maschineneinstellwerte aus dem vom Arzt hinterlegten aktuellen Dialyseregime an die Dialysemaschine. Unstimmigkeiten bei der UF-Berechung, beispielsweise ein zu hoher Flüssigkeitsentzug im Sinne der individuellen Patiententoleranz erkennt das System dabei und weist das Pflegepersonal darauf hin. Die sofortige Verfügbarkeit der Regimedaten an der Dialysemaschine empfindet das Bedienpersonal oft als große Arbeitserleichterung und Zeitersparnis. Nach der aus Gründen der Patientensicherheit notwendigen Quittierung der übertragenen Werte an der Maschine durch das Bedienpersonal wird die Behandlung gestartet und dabei fortlaufend in engem Zeitraster alle verfügbaren Mess-, Einstell- und Statuswerte der Maschine automatisch zum Server übertragen. Ein PC-Programm, das auf beliebig vielen Arbeitsplätzen in der Station laufen kann, stellt die wichtigen Informationen in einem Übersichtsbildschirm dar und erlaubt es beispielsweise auch dem Arzt, jederzeit die wichtigsten Kenngrößen der laufenden Behandlung abzufragen. Dank moderner Vernetzung ist dies auch unabhängig von räumlicher Distanz und sogar über mobile Endgeräte möglich.
Nach der Erfassung des Enddialysegewichtes werden alle Daten der jeweiligen Behandlung vom System optional auch an weiterführende EDV-Systeme übermittelt. Eine Reihe standardisierter Schnittstellen ermöglicht es beispielsweise, auf diese Weise Lagerhaltung oder Abrechnungsprozesse ebenfalls zu automatisieren. Für die Qualitätssicherung stehen auf diesem Wege valide Daten zur Verfügung, deren Erfassung keinen zusätzlichen Aufwand bedeutet.

Falls Dialyseprotokolle auf Papier erwünscht sind, können diese am Ende einer Behandlung individuell formatiert ausgedruckt werden. Daten, die nicht automatisiert gesammelt werden können, werden optional manuell am PC erfasst und im Datenpool abgelegt, z. B. Medikamentengaben oder Pflegeberichte.

Neben der praktischen Unterstützung der Dokumentation im Dialyseprozess und der Verbesserung der Datenvalidität durch Automatisierung liegt ein weiterer großer Vorteil der Datensammlung durch EDV-Systeme in der späteren Verlaufsbeobachtung über mehrere Behandlungen hinweg. So gibt es beispielsweise bereits Untersuchungen, die bestätigen, dass sich Änderungen in der Shuntqualität an engmaschig aufgezeichneten arteriellen und venösen Drücken ablesen lassen. Informationen, die ohne ein entsprechendes EDV-System kaum zur Verfügung stehen.
So können beispielweise Bodenwaagen der Firma Petermann individuell, angepasst an die speziellen Kundenwünsche, gefertigt werden.

Rollstuhl-, Plattform- und Einbauwaagen

Individuelle Herstellung aus Aluminium, Edelstahl und Stahl

Zusammenfassung

Inzwischen gibt es Teillösungen bei EDV-Systemen, die z. B. nur den Aspekt der automatisierten Gewichtserfassung und UF-Berechnung abdecken können. Damit steht ein besonders kostengünstiger Einstieg in die Verwendung von EDV-Systemen offen. Moderne EDV-Systeme in der Dialyse zeichnen sich besonders durch die optimale Vernetzung der eingesetzten Komponenten aus, die speziell für die vielfältigen Anforderungen des Praxisalltags konzipiert wurden.