Mehr Zeit für die Pflege

nursy® Dialyse.Pflege.System

Ein neues Konzept für die Verbesserung der Pflegeabläufe und die Optimierung der internen Materiallogistik in Dialysezentren stellte die Dialyse.Planungs.Gruppe bei der 25. Erfurter Dialysefachtagung vor. „Mehr Zeit für die Pflege“ verspricht das Entwicklerteam mit seinem Konzept, das klare Strukturen in der Materiallogistik schafft. Wir sprachen mit Herrn Krause von der Dialyse.Planungs.Gruppe über das neue Produkt nursy®.

Spektrum: Die Dialyse.Planungs.Gruppe (DPG) baut und saniert Dialysezentren. Außerdem bietet ihr verschiedene Evaluierungsmodule an. Eines der Module beschäftigt sich mit der Verbesserung der Arbeitsabläufe in der Pflege. Ganz neu gibt es von euch nun das Konzept zur Optimierung der Materiallogistik. Wie seid ihr darauf gekommen?

Abb. 1 Anforderungen an die Lagerung von Sterilgut nach DIN58953-8

DPG: Dialysen zu bauen und auszustatten bedeutet für uns nicht nur die Infrastruktur für den nachhaltigen Erfolg von Dialyseeinrichtungen zu schaffen.
Im Rahmen der Projektentwicklung schauen wir insbesondere auch auf die internen Prozesse. Einer der Kernprozesse der Dialyse ist nun einmal die Materiallogistik, worunter wir die Lagerung und den Transport des benötigten Materials innerhalb des Zentrums verstehen.
Es gibt kaum ein Projekt bei dem zu Beginn nicht der Kundenwunsch nach Optimierung in diesem Bereich geäußert wird, sei es nach mehr Zwischenlagerfläche, also Schränke und Schubladen direkt im Behandlungsbereich, ein größeres Lager oder auch optimale Transportmittel. Weiterhin werden wir aktuell von vielen Kunden kontaktiert die amtliche Begehungen hatten, bei denen die Lagerung von Sterilgut und die Materiallogistik bemängelt wurden. Die Aufsichtsbehörden schauen also bei diesem Thema aktuell etwas genauer hin.

Spektrum: Was genau wird bei solchen Begehungen bemängelt?

DPG: Es gibt hauptsächlich zwei Kritikpunkte. Zum einen die Lagerung von Sterilgut in Patientenräumen und zum anderen die nicht getrennte Materiallagerung nach DIN 58953-8 in Sterillager und Anbruchlager.

Spektrum: Kannst du darauf noch genauer eingehen?

DPG: In der DIN 58953-8 sind die Lagerbedingungen für Sterilgut beschrieben (siehe Abb. 1). Diese sind in der Regel in einem gängigen Dialyselager gegeben. Entscheidend wird es erst, wenn ein Verpackungssystem geöffnet wird. Dann ergeben sich verschiedene Anforderungen an Lagerart und Lagerdauer.
Als Verpackungssystem wird in der DIN die Kombination aus Sterilbarrieresystem und Schutzverpackung bezeichnet, also der verschlossene Umkarton mit dem steril verpackten Produkt.

Spektrum: Welche Anforderungen sind das?

DPG: Sobald das Verpackungssystem geöffnet wurde, darf das Sterilgut nicht in der Schutzverpackung (Umkarton) belassen werden.
Entweder man verbraucht es innerhalb der nächsten 48 Stunden, oder man muss das noch nicht verwendete Sterilgut staubdicht in einem Sterillager lagern. Im Sterillager kann das Produkt dann bis zu 6 Monate verbleiben. Sterilgut, das eine weitere Umverpackung hat, muss sogar separat gelagert werden. Dazu gehören beispielweise Punktionskanülen.

Spektrum: Das heißt, ich brauche verschiedene Lagertypen?

DPG: Genau, wir brauchen einmal ein Eingangs- oder Palettenlager, in dem die Lieferungen eingehen und auf Paletten und Rollwagen geschlossen aufbewahrt werden können.
Darüber hinaus brauchen wir ein Regallager für Material, dass eine weitere Umverpackung hat, und unsteriles Material wie Pflaster, Binden usw.
Als dritter Lagertyp ist ein Steril- oder Anbruchlager nötig, in dem Sterilverpackungen staubdicht gelagert werden können. Das Sterillager kann auch ein entsprechender Schrank mit staubdichter Silikonlippe sein.

Tab. 1 Lagerdauer für sterile Medizinprodukte

Spektrum: Ein Karton Dialysatoren wird angeliefert. Welchen Weg nimmt ein Dialysator auf herkömmliche Art und Weise bis zum Patienten und was ist der Unterschied zum neuen Materialkonzept der Dialyse.Planungs.Gruppe?

DPG: Der herkömmliche Weg wird in Abb. 2 veranschaulicht. Vom Lager kommt der Dialysator in verschiedene Zwischenlager, welche alle aufgefüllt und wischdesinfiziert werden müssen. First In — First Out ist hierbei oftmals nicht gewährleistet.
Außerdem ist die Materialbestellung durch die vielen verschiedenen Lagerorte erheblich erschwert, denn hier den Überblick über die vorhandenen Materialien zu behalten, ist schwer. Die Menge des an verschiedensten Stellen gelagertem Material stellt für den Betreiber außerdem gebundenes Kapital dar.

Wie man in der Abb. 3 sieht, kommt der Karton auch bei uns zuerst ins Lager. Von dort wird er zum Bestückungstisch gebracht, wo er komplett entleert wird. Die für die nächste Schicht benötigten Dialysatoren direkt zum Patienten gefahren, die nicht benötigten ins Sterillager.
Bei der nächsten Bestückung werden zuerst die Dialysatoren aus dem Sterillager verwendet, bevor wieder ein neuer Karton aus dem Lager entnommen wird.

Abb. 2 Herkömmliche Materiallogistik mit verschiedensten Zwischenlagern. Zum einen ist es schwer, den Überblick zu behalten. Weiterhin wird hierbei oft nicht nach den gesetzlichen Vorschriften gelagert.

Spektrum: Das Material, das am Bestückungstisch vorbereitet wird, wird zum Patienten gefahren?

DPG: Ja, wir haben nursy ®, einen speziellen Behandlungswagen, entwickelt. Er ist auf der Abb. 3 zwischen dem Bestückungstisch und dem Patienten dargestellt. Unser nursy ist auf Grundlage des heute gängigen Pflegeschlüssels von 1 : 6 konzipiert. Das heißt, er kann bis zu sechs Behandlungspakete und das benötigte Zusatzmaterial aufnehmen. Er kann direkt am Bestückungstisch von Hilfskräften vorbereitet werden, da die einzelnen Schubfächer über ein Beschriftungssystem für das benötigte Material verfügen. Die Pflegekraft nimmt sich zum Schichtbeginn einfach ihren fertig gepackten nursy mit in den Behandlungsraum und hat somit alles, was sie an Material braucht, immer mobil direkt vor Ort.

Abb. 3 Konzept zur Optimierung der Materiallogistik mit dem neuen nursy Behandlungswagen

Spektrum: Das heißt die komplette Materiallogistik zum Patient erfolgt über die nursys?

DPG: Richtig, es gibt keine Zwischenlager mehr. Das entsprechende Material wird über die nursys transportiert und damit natürlich automatisch innerhalb der vorgeschriebenen Lagerdauer verbraucht. Die Kosten sinken deutlich und der Materialbestand wird transparent.

Spektrum: Die Kosten sinken?

DPG: Durch den klaren Prozess der Materialvorbereitung und den standardisierten Ablauf ist beispielweise First In — First Out – immer gewährleistet. Es wird kein Material mehr in den Schubladen vergessen und verfällt. Der Bestellprozess wird vereinfacht, da es nur noch ein zentrales Lager mit den beiden „Nachlagern“ gibt. Es gibt keine Schränke und Schubladen mehr in denen Material lagert, welche regelmäßig kontrolliert, aufgefüllt und gereinigt werden müssen. Der Arbeitsaufwand sinkt dadurch enorm.

Spektrum: Aber ich brauche noch Schränke für die anderen Pflegeutensilien wie Handschuhe, Mundschutz und ähnliches?

DPG: Nein, auch dafür gibt es einen speziellen Auszug mit integriertem Handschuh-, Mundschutz- und Tupferspender. Binden, Kompressen und sonstiges Material kann in einem weiteren Auszug, der über eine individuelle Facheinteilung verfügt, gelagert werden. Hier kommen wir zu einem weiteren Vorteil: der Verbesserung der Arbeitsabläufe in der Pflege. Alles Material, was zum An- und Ablegen sowie während der Dialyse des Patienten benötigt wird, befindet sich im direkten Arbeitsumfeld der Pflegekraft. Trotzdem ist es separiert vom Patienten und liegt nicht, wie so oft zu sehen, auf dem Patiententisch.

Abb. 4 nursy Behandlungwagen mit großen Auszügen für sechs Behandlungspakete

Spektrum: Das heißt, der nursy bleibt während der Schicht im Behandlungsraum? Wann wird dann aber das Material für die nächste Schicht vorbereitet?

DPG: Das wird während der laufenden Schicht schon in einem zweiten nursy vorbereitet. Schichtwechsel heißt es dann auch für die nursys. Durch seine glatte, nahezu fugenfreie Oberfläche kann der Behandlungswagen optimal desinfiziert werden. Die Reinigung, Desinfektion und Bestückung erfolgt außerhalb des eigentlichen Pflegebereichs, z. B. durch Hilfskräfte. Der nächsten Schicht steht dann wieder eine reine Arbeitsumgebung zur Verfügung.

Spektrum: Jetzt gibt es ja verschiedene Anforderungen, denen ein Behandlungswagen gerade im Dialysebereich gerecht werden muss. Wie habt ihr dieses Thema berücksichtigt?

DPG: Der nursy wurde von einem Team aus Designern, Dialysefachkräften und Technikern für den Einsatz in der Dialyse entwickelt. Das Material, welches wir verwenden, ist 100 % wasserresistent und extrem stoßfest. Die Oberfläche ist antibakteriell. Alles Anforderungen, die im Dialysebereich Gültigkeit haben. Durch die großen Leichtlaufrollen mit Kickbremsen lässt er sich sehr leicht bewegen, aber im Bedarfsfall auch feststellen. Seine große Arbeitsfläche dient als reiner Arbeitsbereich direkt am Patienten, auf dem man beispielweise Spritzen und Infusionen vorbereiten kann.
Den nursy Behandlungswagen und das Logistikkonzept haben wir in verschiedenen Zentren getestet und können sagen: „Es funktioniert!“

Abb. 5 Features, Platz für sechs Behandlungspakete, frei einteilbarer Materialauszug, integrierter Handschuh-, Mundschutz- und Tupferspender, Desinfektionsmittelspender

Zusammenfassung

Das Konzept zu Optimierung der Materiallogistik mit dem neuen nursy Behandlungswagen berücksichtigt die geforderten gesetzlichen Vorgaben an die Aufbewahrung von Sterilgütern, spart Material und bringt dem Pflegepersonal eine deutliche Erleichterung. Es schafft kurze Wege, denn alles was zur Behandlung gebraucht wird, hat das Pflegepersonal dabei. Standardisierte Abläufe sorgen für klare Prozesse und die Vorbereitung des Materials kann durch Hilfskräfte erfolgen. Die Hygiene im Patientenumfeld wird verbessert, da nur noch der nursy nach jedem Einsatz desinfizieren muss und nicht mehr alle verschiedenen Zwischenlager. Außerdem wird der reine und unreine Arbeitsbereich klar getrennt. Ein Konzept mit Zukunft.

 

Abb. 6 Moderne Materiallogistik mit System bringt Vorteile in allen Bereichen der Dialyse