Dialysesanierung im Bestand

Es muss nicht immer ein Neubau sein

Die Renovierung, Sanierung oder Erweiterung einer Dialyseeinrichtung schreckt manchen Betreiber aufgrund der baulichen, technischen und zeitlichen Komplexität ab. Hierdurch werden notwendige Renovierungs- oder Sanierungsarbeiten oft immer weiter verschoben. Die Folge sind unzureichende oder nicht mehr zeitgemäße Bedingungen in allen Bereichen, die zu unzufriedenen Patienten oder Mitarbeitern führen können. Dennoch ist die „Angst“ vor solch einer Maßnahme verständlich, sind doch die organisatorischen, personellen und baulichen Anforderungen nicht zu unterschätzen. Die Dialysebehandlung kann nicht einfach unterbrochen werden und die meisten Zentren haben keine Möglichkeit, die Patienten für die Zeit der Renovierung zu verlegen. Deshalb ist es zwingend notwendig, ein solches Vorhaben detailliert zu planen und fachlich versiert ausführen zu lassen.
Die Firma Phoenix Raum Konzept ist auf die Ausstattung von Dialysezentren spezialisiert und mit den Abläufen in der Dialyse vertraut. Von der Planung über die Ausführung werden auch Sanierungen oder Erweiterungen aus einer Hand abgewickelt. Am Beispiel des Dialysezentrums Schweinfurt wird gezeigt, wie die Erweiterung und Gesamtsanierung eines Dialysezentrums erfolgreich durchgeführt werden kann.

Gutes Projektmanagement ist gefragt, wenn mehrere Baugewerke unter Zeitdruck in ein und demselben Bereich arbeiten. – Und hinter der schwarzen Folie lief die Dialyse weiter!

Ausgangssituation

Das Dialysezentrum Schweinfurt mit Praxis für innere Medizin wurde 1999 im 3. Obergeschoß des St. Josef Krankenhaus von Dr. Harlos gegründet. Stetiges Patientenwachstum verbunden mit dem dazugehörigen personellen Zuwachs im ärztlichen und pflegerischen Bereich machten mehrere kleinere Erweiterungen und Umbauten im Laufe der Jahre notwendig.
2012 wurde es in den bestehenden Räumen endgültig zu eng. Weiterhin entsprach die technische Ausstattung im Bereich der Dialysemedienversorgung nicht mehr den Anforderungen an ein modernes Zentrum. Trotz regelmäßiger Pflege waren dem Bodenbelag und der Einrichtung die Spuren von 12 Jahren Dialysebetrieb einfach anzusehen, so dass auch hier der Wunsch nach einer Renovierung bestand. In dieser Zeit wurden in einem angrenzenden Bereich des Krankenhauses Räume frei und die Chance der Dialyseerweiterung mit einhergehender Renovierung bot sich an.

Bestandsaufnahme

Die Betreiber wandten sich mit der Bitte um ein Erweiterungs- und Gesamtrenovierungskonzept an die Firma Phoenix Raum Konzept aus Behrungen. Zeichnungen der Dialyse existierten nur als Papierkopie und mussten digitalisiert werden (Abb. 1).

Abb. 1 Digitalisierte bauliche Bestandspläne der Dialyse und der nephrologischen Praxis. Die Räume der Dialyse sind im linken Bereich, die bestehende Praxis im rechten Gebäudeabschnitt.

 

Auf Basis der Bestandspläne und einer nachfolgenden detaillierten Bestandsaufnahme wurden gemeinsam erste Ideen zur Erweiterung entwickelt (Abb. 2). Aufgrund der historischen Bausubstanz wurde in dieser Phase bereits ein Architekturbüro zur statischen Beurteilung und Fachplaner für die Bereiche Elektroinstallation sowie Heizung-Lüftung-Sanitär einbezogen. Früh wurde klar, dass man aufgrund der kleinen Räume im Praxisbereich um den Abriss einiger Wände nicht umhin kommen würde.

Abb. 2 Planstand nach erster gemeinsamer Ideenphase: Der linke Bereich der Bestanddialyse wurde weitestgehend in seinen baulichen Strukturen erhalten. Durch die Erneuerung der Einrichtung mit raumtrennenden Modulwänden wurden die Räume modernisiert. Im rechten Bereich der ehemaligen Praxisräume wurden durch eine großflächige Entkernung neue Dialyseräume geschaffen. Direkt gegenüber des Aufzugs wurde die ehemalige Rezeption der Praxis zum neuen Dialyseempfang mit angrenzendem Pflegedienstleitungsbüro und zentraler Patientenwaage umgebaut.

 

Gerade in dieser frühen Planungsphase zeigte sich, dass der Blick von außen oft ganz andere Perspektiven in den kreativen Ideenfindungsprozess bringt.
Planen Sie für diese Phase genügend Zeit ein, es wird sich auszahlen! Es zeigt sich immer wieder, dass eine gute Planung die Baukosten vor allem bei Umbauten im Bestand deutlich verringern kann.

Die Erweiterung der Dialyse

Die Erweiterung der Dialyse erstreckte sich auf die Räume der bisherigen Arztpraxis. Für die neuen Räume der Praxis konnten weitere Flächen im Krankenhaus angemietet werden. Um den Betrieb der Dialyse aufrecht zu erhalten, wurde gemeinsam mit dem Pflegeteam ein detaillierter Projektplan entwickelt. Die Patientenanzahl, die Anzahl der in den verschiedenen Phasen des Umbaus zur Verfügung stehenden Dialyseplätze, die Anzahl der Schichten und natürlich auch des zur Verfügung stehenden Personals wurden hierbei berücksichtigt.

Die Dialyse wurde in drei Abschnitten umgebaut:

Praxistipp
Nehmen Sie schon in der ersten Phase der Ideenentwicklung Kontakt mit allen maßgeblich Beteiligten, wie Gebäudeeigentümer auf und ziehen Sie spezielle Fachleute, z. B. Statiker oder Fachplaner hinzu. Unumgänglich ist eine detaillierte Bestandsaufnahme, da auch vorhandene Bestandspläne sehr oft nicht an zwischenzeitlich durchgeführte Änderungen angepasst werden.
Richtig gestellte Weichen in dieser Phase können die Baukosten deutlich reduzieren

1. Ausbau und Einrichtung der Erweiterungsflächen im Bereich der bisherigen Praxis, anschließend Umzug eines Teils der Patienten in die neuen Räume

2. Splittung der bisherigen Dialyseräume in 2 Bereiche, Sanierung des ersten Teilbereichs,
Dialysebetrieb im neuen Dialysebereich und im bestehenden Teilbereich

3. Sanierung des zweiten Teilbereichs der Bestandsdialyse

Praxistipp
Beweisen Sie Fingerspitzengefühl in der Kommunikation mit den Patienten. Informieren Sie die Patienten rechtzeitig und aus „erster Hand“ über die geplanten Arbeiten.
Es werden während der Bauphase Einschränkungen und zusätzliche Belastungen auf alle zukommen. Nicht jeder Patient teilt eventuell von Anfang an Ihre Freude auf neue Räume.

Die detaillierte Abstimmung aller Beteiligten und ein tagesgenauer Projektplan sicherten den reibungslosen Ablauf. Bauen im Bestand birgt in aller Regel einige Überraschungen, weshalb man durch vorausschauende Planung eventuell vorhersehbare Störungen im Projektablauf auf ein Minimum reduzieren muss. Hilfreich ist es zudem, Fachplaner und Baufirmen einzusetzen, die mit dem Ablauf und den Besonderheiten einer Dialyseeinrichtung vertraut sind.
Wichtig ist natürlich auch der zeitliche Gesamtrahmen, denn die Einschränkungen die Bauarbeiten auch bei bester Planung mit sich bringen, sollten möglichst von kurzer Dauer sein. Die aufwendigen Bauarbeiten im Zentrum Schweinfurt konnten in nur knapp 3 Monaten komplett abgeschlossen werden.

Bild links: Bestehender Dialysebereich vor der Renovierung (Anm.: zur Zeit der Fußball EM) − Bild rechts: Moderne Optik durch eine neue Möblierung mit Holzdekor und einem generell helleren Farbkonzept. Durch den Einbau von Raumtrennmodulen wurde der Wunsch der Patienten nach kleineren Dialyseeinheiten realisiert. Dem im Laufe der Jahre veränderten Pflegekonzept wurde durch den Umbau des zentralen Überwachungs- und Pflegearbeitsbereiches Rechnung getragen.

Bild links: Der Empfang der Dialyse- und der Arztpraxis wurde 1999 aus einem bestehenden Pflegestützpunkt einer Krankenhausabteilung umgebaut. − Bild rechts: Derselbe Bereich heute als repräsentativer Empfang sowie „Schaltzentrale“ der kompletten Dialyse. Der Tresen wurde im rechten Bereich speziell für Rollstuhlfahrer abgesenkt. Der Pflegedienstbereich ist mittels einer transparenten, filigranen Glaskonstruktion abgetrennt. So ist bei maximaler Übersicht trotzdem ein ungestörtes Arbeiten möglich.

Bild links: Der lange Flur spiegelte Krankenhausatmosphäre wider. − Bild rechts: Nach dem Umbau präsentiert sich der Flur in freundlichen, einladenden Farben. Eine integrierte Bodenwaage erleichtert das Arbeiten des Pflegepersonals. Kurzwartebereiche mit bequemen Polstern ergänzen das Bild − hier fühlen sich Patienten und Personal wohl.

 

Bild links: Die Permeat- und Konzentratversorgung sollte im Rahmen der Sanierung nach 14 Jahren mit erneuert werden. Auch die Medienversorgungssysteme entsprachen technisch und optisch nicht mehr den Vorstellungen der Betreiber. − Bild rechts: Das moderne Medienversorgungssystem Phoenix MOVE® der Firma Nipro Pure Water Bruchsal wurde in eine farblich an die Einrichtung angepasste Vorwandverkleidung integriert. Durch die individuelle Herstellung war auch die Verkleidung der Fenster- bzw. Heizkörpernischen unproblematisch möglich. Durch diese flächige Verkleidung und keinerlei störende Schläuche oder Kabel auf dem Boden ist eine einfache, hygienische Reinigung auch hinter den Dialyseplätzen möglich.

Fazit

Die Sanierung einer Dialyseeinrichtung stellt im Gegensatz zu Neubauten viel höhere Anforderungen an die Fachplanung und das Projektmanagement. Durch die rechtzeitige Einbindung eines erfahrenen Dialysefachplaners können die Arbeiten im Vorfeld professionell strukturiert werden. Zusätzlich sind der „Blick von außen“ und die Erfahrung aus vielen anderen, ähnlichen Bauvorhaben ein großer Vorteil. Die Einbeziehung aller intern Beteiligten wie Ärzte, Pflege, Management und Patienten ist für einen reibungslosen Ablauf der Arbeiten unumgänglich. Den Bedenken und Ängsten vor einer Sanierung sollten Sie die erheblichen Chancen gegenüberstellen. Ein neu strukturiertes Zentrum hilft die Abläufe zu optimieren und so an die veränderten Rahmenbedingungen in der Dialyse anzupassen. Ein modern gestaltetes Arbeitsumfeld wirkt sich motivierend auf die dort tätigen Personen aus und auch die Patienten werden die Bemühungen um eine hohe Strukturqualität der Dialyseeinrichtung positiv honorieren.

Dank

Wir danken ganz herzlich dem Dialysezentrum Schweinfurt, Herrn Dr. Harlos, Frau Dr. Berweck und Frau PD Dr. Schwedler für die freundliche Unterstützung und die Freigabe der Pläne und Fotos sowie dem kompletten Team des Dialysezentrums für die hervorragende Zusammenarbeit während des Projektes.