Dialyseeinrichtung als Unterstützung der Pflege

Optimale Raumstrukturen und moderne Dialyseeinrichtung als Unterstützung der Pflege – Einbeziehung der Pflege in die Dialysefachplanung

Der Neubau einer Dialyse bzw. der Umbau einer bestehenden Dialyse stellt insbesondere auch Pflegende vor große Herausforderungen. Gewohnte Abläufe und Strukturen werden ggf. verlassen, eine Neuorientierung bezüglich Räumlichkeiten und Arbeitsabläufen wird in vielen Fällen erfolgen. Um das zukünftige Arbeitsfeld für alle Beteiligten sinnvoll zu gestalten, ist eine gezielte Planung im Vorfeld unter Einbeziehung des Gesamtteams wichtig. Je intensiver und detaillierter die Vorbereitung auf den neuen Arbeitsplatz ist, umso leichter und schneller erfolgt die Eingewöhnung und die Akzeptanz der veränderten Strukturen durch alle beteiligten Personen. Aus diesem Blickwinkel heraus möchte der folgende Beitrag das Arbeitsfeld der Pflegekräfte, der größten Berufsgruppe in einer Dialyse, beim Neubau / Umbau genauer betrachten, da optimale Raumstrukturen und eine ergonomische Dialyseeinrichtung das Arbeitsfeld der Pflege erleichtern bzw. optimieren können.

Einbeziehung des Pflegeteams in die Planungsphase

Der Arbeitsplatz ist ein Lebensraum, an dem man sich wohl fühlen muss, um leistungsfähig zu sein. Die Qualität der Arbeit wird bestimmt durch Kreativität, Zufriedenheit und Gesundheit. Eine komfortable und ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes ist die Grundlage für modernes, produktives Arbeiten.1

Ideenwettbewerb

Jeder Mitarbeiter einer Firma hat Ideen, Wünsche und Vorstellungen von seinem Arbeitsplatz. Zu Beginn einer generellen strukturellen Veränderung des Arbeitsplatzes sollte jedem Teammitglied die Möglichkeit gegeben werden, seine Vorstellungen einzubringen, z. B. durch einen Ideenwettbewerb, in dem Wünsche und Vorstellungen für ein neues Dialysezentrum eingebracht werden können.

Folgende Kriterien sollten angesprochen werden:

Arbeitsgruppe „Bau“

Eine weitere Möglichkeit ist die Bildung einer Arbeitsgruppe „Bau“, möglichst aus freiwillig mitarbeitenden, motivierten Mitarbeitern.
Unabhängig von der Entscheidung, wer wie seine Ideen und Vorschläge einbringt, gibt man zu Beginn des Planungsprozesses einen Fragebogen an alle Teammitglieder aus, um spezielle Strukturen erarbeiten zu können. Im weiteren Verlauf sollte versucht werden, die „Baugruppe“ immer wieder für alle Teammitglieder zu öffnen.

Warum sollte die Pflege eingebunden werden?

Sieht der Arbeitgeber eine Einbindung der Pflegenden bei der Planung der neuen Dialyse nicht von Beginn an vor, sollte der Arbeitgeber von Seiten der Pflegeleitung von der Notwendigkeit überzeugt werden. Einige Gründe, warum es wichtig ist, das Team „im Boot“ zu haben, sind:

Erhebung IST-Zustand

Als Planungsgrundlage empfiehlt es sich den IST-Zustand per Fragebogen zu erheben:

Von allen Mitarbeitern können Inputs zum neuen Zentrum gesammelt werden. Mit der hierdurch erreichten Transparenz der Ist-Situation und der Aufzeigung von Verbesserungspotential entsteht für die Arbeitsgruppe „Bau“ eine sehr gute Ausgangssituation für den nachfolgenden Planungsprozess.

Dialysefachplaner

Spätestens in diesem Stadium sollte gemeinsam mit der Geschäftsführung der Kontakt zu einem professionellen Dialysefachplaner gesucht werden. Die frühe Einbindung des Fachplaners ermöglicht einen moderierten weiteren Planungsablauf unter Beachtung der vielfältigen weiteren Einflussfaktoren in einer Dialyseplanung. Dialyseneubauten sind hochkomplexe Bauvorhaben, die eine detaillierte Planung unter medizinischen, gesundheitspolitischen, wirtschaftlichen, hygienischen, technischen, funktionalen und ästhetischen Gesichtspunkten erfordern.2

Raumprogramm

Mit dem Fachplaner wird im nächsten Schritt ein Raumprogramm erarbeitet. Was ist im neuen Zentrum umsetzbar hinsichtlich:

a) Raumgrößen
b) Anzahl und Art der Räume
c) Ausstattung der Räume
d) Arbeitsabläufe

Bei der Erstellung des Raumprogramms sollte auch die Ist-Situation, gegliedert in Raumbezeichnung, Inventar sowie Größe in qm berücksichtigt werden. Beim Rundgang durch die alte Dialyse wird jeder Raum aufgelistet, ausgemessen und seine
momentane Funktion festgehalten.

Aus dem Raumprogramm ergibt sich der tatsächliche Raumbedarf und fehlende Räume werden ergänzt. Der notwendige Platzbedarf pro Pflegeplatz beträgt etwa 10 qm. Zu bedenken ist hierbei, dass immer mehr Patienten mit Rollstuhl und Rollator das Dialysezentrum aufsuchen. Es muss ausreichend Platz zum Umsetzen der Patienten und zum Parken der Bewegungshilfen geplant werden.

Die Lagerung der Patientenfortbewegungshilfen muss ausreichend geregelt sein. Rollstühle sollten, sofern zusammenklappbar und ausreichend Platz in den Behandlungsräumen, beim Patienten am Dialyseplatz deponiert werden. Zentrumseigene Rollstühle sind in unmittelbarer Nähe zu den Behandlungsräumen frei zugänglich in einer „Rollstuhlgarage“ zu parken.

Abb. 1 Raumprogramm am Beispiel der Fachplanung für das neue Dialysezentrum Mosbach

Funktionsschemata

Anhand der ersten Funktionsschemata wird die Lage der Räume zueinander überprüft. So ist die Lage der Nebenräume in Verbindung zu den Behandlungsräumen, Lage der Patiententoiletten in Nähe der Dialyseräume oder die Lage des Aufzugs mit direktem Zugang für Liegendtransporte zu den Behandlungsräumen zu prüfen. Die Anordnung der Arbeitsräume rein und unrein in unmittelbarer Nähe zu den Behandlungsräumen vermeidet das Verlassen des Dialysebereichs durch die Pflegenden.

Abb. 2 Funktionsschema und Flussplanung am Beispiel der Fachplanung für das neue Dialysezentrum Mosbach

Flusspläne Mensch und Material

Alle zurückzulegenden Arbeitswege sollten auf den Prüfstand gestellt werden, z. B. Wege des Patienten, Materialflüsse, Wege des medizinischen und pflegerischen Personals, Wege der Begleitpersonen etc. Am Beispiel Materialfluss ist u. a. zu klären:

In Verbindung mit der Lage der Räume und den zurückzulegenden Arbeitswegen müssen die Arbeitsabläufe noch einmal überdacht werden, z. B. Wartebereich Patienten und Krankentransportunternehmen, Warenanlieferung, Ort für Patientenerstgespräche etc. Wartebereich und Dialysebehandlungsräume zu trennen, ermöglicht ein ruhiges und ungestörtes Arbeiten. Ein hoher Lärmpegel durch Patientengespräche oder Taxifahrer sind bei offener Gestaltung eine große Belastung für das Pflegepersonal und die Patienten, die noch in der Behandlung sind. Im Wartebereich sind ausreichend Sitzmöglichkeiten, auch für Taxifahrer, sowie ein Garderobeelement mit abschließbaren Wertfächern zu planen. Der Eingangsbereich muss so geräumig sein, dass sich sowohl ankommende als auch gehende Patienten zuzüglich Begleitpersonal in diesem Bereich begegnen können.

Personalressourcen

Im Rahmen des demografischen Wandels mit jährlich steigender Anzahl von Neudialysepatienten wird die tatsächliche Anzahl von gut ausgebildetem Pflegepersonal immer wichtiger. Die Ausbildungszahlen in den Gesundheitsberufen sind in den vergangenen Jahren geringer geworden. Die Fluktuation in den Krankenhäusern und Pflegeheimen ist enorm hoch und die Attraktivität der Berufe der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der medizinischen Fachangestellten leiden. Ein zweiter wichtiger Aspekt sind die sinkenden Sachkostenpauschalen je Dialyse in 2013 und angedacht in 2015. Aus diesem Grund stellen sich folgende Fragen:

1 Wie viel Pflegepersonal steht nicht nur heute, sondern auch morgen zur Verfügung, um die Patienten in der Dialyse betreuen zu können?

2 Wie viele Patienten kann eine Pflegeperson sinnvoll je Schicht versorgen, ohne dass die Pflegequalität leidet?

3 Wie viel Personal wird benötigt, damit es nicht zur dauerhaften Überforderung der Pflegekräfte kommt?

4 Welcher Pflegekräfte-Patientenschlüssel kann pflegerisch und betriebswirtschaftlich betrachtet vertreten werden?

Pflegeprinzip

Alle vier Fragen müssen gleichrangig beantwortet werden. Für den Bau der neuen Dialyse bedeutet dies:

a) Welches Pflegeprinzip wird gewählt? Der Einfachheit halber wird hier nur in die beiden nachstehenden Pflegeprinzipien unterschieden:

Gruppenpflege in Kombination mit Funktionspflege: Ein Team sorgt gemeinsam für eine bestimmte Anzahl von Patienten, wobei die Pflegeaufgaben in Teilfunktionen an die einzelnen Pflegepersonen verteilt werden

Zimmerpflege: Aufteilung der Station in kleinere Patienteneinheiten, die in der Regel von einer Pflegeperson mit allen Aufgaben betreut werden kann

b) Wie viele Patienten werden in einem Raum von einer Pflegekraft je Schicht betreut? Personal – Patientenschlüssel 1:4, 1:5 etc.

Im Sinne einer ganzheitlichen, modernen Pflege ist das Prinzip der Zimmerpflege mit maximal 6 Patienten zu wählen, um eine sichere und sachlich-fachlich korrekte Pflege zu gewährleisten. Die betreuende Pflegekraft hat einen besseren Überblick über die einzelne Patientensituation, kennt Fähigkeiten, Bedürfnisse und Ressourcen der Patienten und kann so adäquater auf Probleme reagieren. Außerdem gehen weniger Informationen verloren.
Die Zimmerpflege sollte immer in Zusammenhang mit der technischen Ausstattung unter arbeitsergonomischen und -ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet werden. Die Räume sollten dabei so gestaltet werden, dass das Geschehen optisch aus den anderen Räumen wahrgenommen werden kann. So bilden zwei Räume eine Einheit und sind lediglich durch eine Glaswand voneinander getrennt, vier Räume bilden eine nächst größere Einheit, in der man sich gegenseitig aushilft.

Die Vorteile sind:

Fazit & Ausblick

Durch die frühzeitige Einbindung aller Beteiligten in die Gestaltung des Arbeitsplatzes „Pflege“ können Strukturen geschaffen werden, die eine perfekte Pflege unter medizinischen, ergonomischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten ermöglichen. Die Zunahme an Dialysebehandlungen bei gleichzeitiger Reduzierung der Vergütung zwingt zur Optimierung, die bei der räumlichen Struktur beginnt. Professionell geplante Dialyseeinrichtungen sind deshalb in der Lage, die Leistung „Dialyse“ kostengünstiger in höherer Qualität zu erbringen. Weiterhin sind Mitarbeiter, die Spaß an Ihrer Arbeit und Ihrem Arbeitsumfeld haben, deutlich motivierter, was sich wiederum auf die Patienten und die subjektiv empfundene Behandlungsqualität auswirkt.

Die Personalressourcen sind in engem Zusammenhang mit der Arbeitsergonomie und Arbeitsökonomie zu sehen. In der nächsten Ausgabe wird der Dialyseneu- oder -umbau hinsichtlich dieser beiden Punkte und der Einhaltung von Hygienerichtlinien genauer betrachtet.

Literatur:
1  Thijsse-Noth, U. & Sommer, F. (2011). Optimierung der Planungsprozesse bei Dialyseneubauten. In Spektrum der Dialyse & Apherese. September 2011, S. 15-17.
2  LINAK GmbH. (o.D.). Der Sitz-Steh-Arbeitsplatz. Abgerufen am 02. Februar 2013 von http://catalog.linak.com/Linak/GERMAN/BROSCHUERE/Deskline Der SitzStehArbeitsplatz Broschuere dt/.